| Kommentar |
Das Seminar widmet sich der grundlegenden Spannung zwischen der Pflicht, Recht zu befolgen, und dem Recht oder gar der Pflicht zum Widerstand gegen ungerecht empfundene Gesetze. Ausgehend von aktuellen Beispielen zivilen Ungehorsams – etwa den Straßenblockaden der „Letzten Generation“ oder den Protesten gegen rechtsextreme Parteitage – steht die Frage im Zentrum, unter welchen Bedingungen Recht aus ethischer Sicht befolgt werden muss oder nicht befolgt werden darf: Ist es moralisch erlaubt (Widerstandsrecht) oder sogar geboten (Widerstandspflicht), sich über geltendes Recht hinwegzusetzen? Welche Rolle spielen dabei religiöse Überzeugungen?
Der Kurs diskutiert historische und aktuelle Positionen aus Theologie und Philosophie. Dabei lesen wir klassische Texte von Autoren wie Thomas von Aquin, Martin Luther oder Immanuel Kant ebenso wie neuere Texte aus der theologischen Ethik und Rechtsphilosophie. Die Teilnehmenden erarbeiten sich so ein differenziertes Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Glaube, Moral und Recht sowie der ethischen und rechtlichen Grenzen des Protests in einer demokratischen Gesellschaft. |