Der Parmenides gilt als einer der rätselhaftesten und anspruchsvollsten Texte Platons – ein Werk, das Leserinnen und Leser bis heute vor große Herausforderungen stellt. In dem Dialog begegnet der junge Sokrates dem greisen Parmenides und dessen Schüler Zenon. Was zunächst wie eine kritische Auseinandersetzung mit der Ideenlehre anmutet, entwickelt sich zu einer hochkomplexen Folge dialektischer Argumentationen, in der zentrale Annahmen der platonischen Metaphysik, Erkenntnistheorie und Logik in Frage gestellt werden. Der Text lässt sich dabei nicht einfach in ein kohärentes „System“ platonischen Denkens einfügen, sondern markiert vielmehr eine selbstreflexive Infragestellung zentraler Positionen.
Philosophiegeschichtlich ist der Parmenides ein Schlüsseltext. In ihm begegnen sich – zumindest auf der dialogischen Ebene – die vorsokratische Ontologie und die klassische Ideenlehre. Die berühmten Hypothesen der zweiten Dialoghälfte wurden in der Forschung sowohl als ernsthafte dialektische Übung als auch als Parodie spekulativer Metaphysik gedeutet. Spätere Philosophietraditionen – etwa der Neuplatonismus oder die deutsche Idealismusrezeption – haben dem Text immer wieder eine besondere Stellung innerhalb des platonischen Œuvres zugeschrieben.
Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar einer genauen Lektüre des gesamten Dialogs – sowohl mit Blick auf seine theoretischen Problemstellungen als auch auf seine literarisch-dramaturgische Gestaltung. Wie lassen sich die Argumentationsgänge rekonstruieren, welche Begriffe stehen im Zentrum, und wie ist das Verhältnis zwischen dem ersten und dem zweiten Teil des Dialogs zu verstehen? Zugleich fragen wir nach der Bedeutung der dialogischen Form, der Figurenkonstellation und der erzählerischen Rahmung für das philosophische Geschehen.
Die Arbeit im Seminar ist stark diskussionsorientiert. Ziel ist es, die komplexen Gedankengänge nicht nur analytisch nachzuvollziehen, sondern sie gemeinsam im Gespräch zu erproben und zu problematisieren. Gearbeitet wird mit einer zuverlässigen deutschen Übersetzung; auf wichtige griechische Begriffe wird punktuell hingewiesen. Die Bereitschaft zur intensiven Textarbeit und zur Auseinandersetzung mit einem besonders herausfordernden Werk wird vorausgesetzt.
Eine vollständige Literaturliste wird am Anfang des Seminars über Moodle bereitgestellt werden.
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