Der Sinn für die Schönheiten dieser Welt ist ein erstaunliches Organ. Seine Ausbildung, Verfeinerung und Ausübung gehört zum gelingenden Leben dazu. Wer keine Schönheitsurteile fällen kann und keine Schönheitserlebnisse kennt, dem fehlt ein wichtiger Bestandteil dessen, was den Menschen ausmacht und einerseits von Tieren, andererseits von Maschinen unterscheidet. Tatsächlich spielen eine Vielzahl menschlicher Facetten bei der Ausübung des Schönheitssinns zusammen: sinnliche, emotionale, kognitive und intellektuelle Fähigkeiten sind dabei ebenso gefragt wie die Fähigkeit, überhaupt etwas zu erleben, und zwar gerne. Nicht minder vielgestaltig sind die Gegenstände, auf die wir mit unserem Schönheitssinn zu reagieren wissen. Besonders rätselhaft ist die Tatsache, dass der Schönheitssinn so:gar auf der Suche nach der naturwissenschaftlichen Wahrheit von unschätzbarem Wert ist; offenbar ist die Natur in ihren tiefsten Strukturen so eingerichtet, dass sie unsere Freude am Schönen zum Schwingen bringt. Oder umgekehrt: Mit allen Facetten unseres Menschseins sind wir so gebaut, dass unser Schönheitssinn bestens zu dem passt, was die Welt im Innersten zusammenhält. So oder so, der Schönheitssinn ist weit mehr als eine nette Nebensächlichkeit. Seine Berücksichtigung ist ein Muss für jede Form von Humanismus: Wer den Menschen feiert, kommt um den menschlichen Schönheitssinn nicht herum.Die Veranstaltung ist zwar als Einführungsvorlesung ("VEV") gedacht und setzt daher – natürlich – keine Vorkenntnisse voraus. Aber ich werde die HörerInnen nicht durch einen fairen Überblick in philosophische Positionen zur Ästhetik einführen, sondern durch die Entfaltung einer humanistischen Position zur Ästhetik. Damit möchte ich anfangende PhilosophInnen zum Widerspruch, zum Selberdenken und zur eigenen Ausseinandersetzung mit großer Kunst reizen. Auch fachfremde Universitätsmitglieder sind eingeladen, sich auf dieses Experiment einzulassen. (Anmeldung Fachfremde)
Die Veranstaltung wurde 17 mal im Vorlesungsverzeichnis WiSe 2025/26 gefunden: