2a Praxis und Theorie der Erziehung (Gruppen 1 – 12)
Gruppe 1 und 2: Cornelie Dietrich
Sprache, Sprechen, Stimme im Unterricht
Wir setzen uns zunächst damit auseinander, welche materiellen (körperlichen) Aspekte der Sprache im Sprechen der Lehrkräfte Inhalte konturieren und Beziehungen zu den Kindern gestalten, wie sich in Sprache ein Habitus realisiert. Wie man Kinder anspricht, an sie appelliert, sie ermuntert oder ihr Verhalten kommentiert und wie man sich selbst dabei „in Szene setzt“, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Unterrichtsgeschehen. Im geblockten, zweiten Teil des Seminars werden wir gemeinsam mit einer Schauspielerin einige praktische Übungen durchführen, die in einem Studienprojekt verarbeitet werden sollen. Entsprechend ist die Teilnahme an beiden Teilen verbindlich, sowie das Interesse an einer Verbindung von theoretischem und praktischem Arbeiten am Thema Voraussetzung.
Gruppen 3 und 4: Gerald Blaschke-Nacak
Kompetenzorientierung als Erziehungsprogramm?
Kompetenzorientierung bedeutet, die Gestaltung von Unterricht (und Leistungsbewertung) sowohl am Aufbau spezifischer Fertigkeiten und Fähigkeiten bzw. eines bestimmten Wissens zu orientieren, als auch die Bereitschaften in den Blick zu nehmen, die dazu beitragen, dass diese Fertigkeiten, Fähigkeiten und Wissen in variablen Situationen gezeigt werden kann. Aufgrund dieser (umfassenden) Zielstellungen stellt sich die Frage, ob Kompetenzorientierung nicht (auch) als Erziehungsprogramm gekennzeichnet werden sollte und wenn ja, welche Implikationen eine erziehungstheoretische Perspektive auf kompetenzorientierten Unterricht mit sich bringt. Zu diesem Studienprojekt wird lediglich eine mündliche Prüfung als MAP angeboten. Damit verbunden besteht keine Möglichkeit der Bewertung der MAP vor dem Termin der Prüfung im entsprechenden Prüfungszeitraum.
Gruppe 5: Gerald Blaschke-Nacak
Reflexion und Reflexivität in der Lehrer:innenbildung
Sowohl im Kontext der Lehrer*innenbildung als auch in Bezug auf die berufliche Praxis von Lehrer*innen wird Reflexion und Reflexivität als etwas verstanden, das maßgeblich dazu beitragen kann, (das eigene) Lehrer*innenhandeln ‚gekonnt‘ zu überprüfen und ggf. Veränderungen vorzunehmen. Entsprechend sind die Forderungen nach einer Förderung der Reflexionsbereitschaft und -fähigkeit von Lehramtsstudierenden kontinuierlich gewachsen. In unserem Studienprojekt werden wir zunächst sowohl einige Formen, Befunde und Herausforderungen der Reflexion von Unterrichtsinteraktionen kennenlernen als auch über die ‚Reflexionsnorm‘ im Kontext der Lehrer*innenbildung nachdenken. Im Folgenden wird es dann darum gehen, auf Grundlage der eingebrachten Literatur ‚Reflexions- und Professionalisierungsanlässe der Lehrer*innenbildung‘ in den Blick zu nehmen. Zu diesem Studienprojekt wird lediglich eine mündliche Prüfung als MAP angeboten. Damit verbunden besteht keine Möglichkeit der Bewertung der MAP vor dem Termin der Prüfung im entsprechenden Prüfungszeitraum nach der Vorlesungszeit.
Gruppe 6 und 7: Anna Carnap
Berufliche (Geschlechter-) Bildung in der Grundschule auf der Vorder- und Hinterbühne
In Kooperation mit "Berliner Schulpate", einer der Handwerkskammer nahen, gemeinnützigen GmbH, führen die Studienprojektteilnehmer*innen Workshops zum Thema "Abenteuer Beruf" mit Schüler*innen der 4. Klasse durch. Ziel der von dem Verein bereits konzipierten Workshops ist es, "Neugier zu wecken und ein erstes Verständnis für Berufe zu entwickeln." (siehe Homepage berliner-schulpate.de) Ziel des Studienprojektes ist es, im Rahmen der Workshops unterrichtliche Interaktions- und Aushandlungsprozesse zu beobachten und diese als Einübung in ein bestimmtes, arbeitsweltzuträgliches Arbeits- und Sozialverhalten (geschlechter-)kritisch reflektieren zu können.
Die Workshops finden an zwei Tagen freitags im Semester zur Schulzeit statt, möglicherweise auch in Berliner Randbezirken zur ersten Schulstunde. Für eine sinnvolle und erfolgreiche Seminarteilnahme ist die Durchführung und Beobachtung der Workshops notwendig. Damit Sie sich die Zeitfenster für die Workshops freihalten, sind in Agnes mehr als 14 Seminartermine angegeben. Der in der Modulbeschreibung für das Studienprojekt vorgesehene Zeitaufwand wird aber nicht überschritten.
Prüfungsform (MAP): Mündliche (Gruppen-)Prüfung
Gruppe 8 – Anna Carnap
#teacherlife: Schule, Unterricht und Erziehung auf und mit Social Media
Auf Social Media Plattformen wie Instagram oder TikTok werden täglich neue Erziehungs- und Unterrichtstipps geteilt. In dem Studienprojektseminar wird einerseits das algorithmisierte Feld des Erscheinens für Lehrer*innen und für pädagogische Themen in den Blick genommen: Was für Inhalte werden algorithmisch-co-kuratiert sichtbar? Welche Auffassungen von Erziehung, Kindheit und pädagogischer Beziehung werden relevant gesetzt? Andererseits soll erforscht werden, wie (angehende) Lehrer*innen Social Media rezipieren: Welche Inhalte werden angeschaut? Was interessiert und affiziert die Beforschten? Wie wird sich positioniert? Die Social Media Artefakte und deren Rezeptionsprozesse werden dokumentarisch ausgewertet und aufeinander bezogen. Im Zentrum steht die methodisch anspruchsvolle, kleinschrittige Auswertung eigenständig erhobener Daten. Ziel des Seminares ist es, den systematisch undurchsichtigen Diskursraum Social Media sowie seine Bedeutung für das Handlungsfeld Schule besser zu verstehen um pädagogische Implikationen im digitalen Wandel ableiten zu können.
MAP: Portfolio (schriftlich)
Gruppe 9 – Anna Carnap und Gruppe 11 – Lena Staab
Barbie
Im Seminar werden kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die seit mehreren Generationen umstrittene wie beliebte Spielfigur Barbie mit erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen verknüpft. Thematisiert wird Barbie aus Sicht von Spieltheorien, als Gegenstand sexueller Bildung sowie als diskursives Deutungsangebot einer sich verändernden Geschlechterordnung. Dafür werden zum einen Puppen und Kleidung materiell-explorativ sowie kulturgeschichtlich beforscht, zum anderen der Film von Greta Gerwig (2023) historisch-komparativ. Die Ergebnisse werden u.a. mit Angela McRobbies‘ Topgirls (2010) diskutiert, derzufolge die populärkulturelle Anrufung junger Frauen zu Leistung, Lifestyle und Perfektion (in Abgrenzung zur Mutter und Hausfrau?) Geschlechternormen zugleich affirmiert als auch irritiert.
Die theoretischen Seminarinhalte werden im Austausch mit Anna Carnap/Lena Staab angeleitet, d.h. es wird gemeinsame und geteilte Seminarsitzungen geben.
Im Anschluss an die theoretische Auseinandersetzung steht die eigene empirische Annäherung an kindliche Spiel- und Bildungspraxen im Zentrum. Hier wird in der Seminargruppe Nr. 11 (Staab) mit der phänomenologischen Vignettenforschung gearbeitet: Studierende entwickeln auf Grundlage von teilnehmenden Beobachtungen phänomenologische Vignetten, die im Seminar gemeinsam interpretiert und unter der Frage der Erziehung reflektiert werden. In der Seminargruppe 9 (Carnap) werden die ethnografisch erhobenen teilnehmenden Beobachtungen (vgl. Breidenstein et al. 2020) als Akte kreativer Aneignung (Mimesis) und/oder kritischer Positionierung reflektiert. Methode und Reflexionsfolien werden im Seminar eingeführt und ausprobiert; Erhebung und Auswertung erfolgen eigenständig.
Das Seminar wird vierstündig im zweiwöchentlichen Rhythmus angeboten. Bitte beachten Sie die zusätzlichen Termine.
MAP: Mündliche (Gruppen-)Prüfung
Gruppe 10: Lena Marie Staab
Macht und Bild(erbuch) – experimentell inklusive_re Bilderbücher entwerfen
Bilderbücher als (Sozialisations-)Medien umgeben Kinder und prägen sie oftmals nachhaltig. Ihre Charaktere und vermittelten Lebenswelten sind uns zeitlebens präsent und bieten früh Identifikationspotential. Doch was geschieht, wenn sie jenes (systematisch) verwehren? Bilderbücher zeichnen Bilder von Normalität, die für Personen unterschiedlich anschlussfähig sind. Hier handelt es sich nicht nur um individuelle Präferenzen und Situiertheit, sondern es brechen sich machtvolle Setzungen bahn, die mit Abwertung, Reproduktion von Stigmata, Ausschluss, Verhöhnung, Unsichtbarkeit etc. einhergehen können. In Reaktion auf diese Problematik ist der Anspruch mancher Bücher bzw. Autor*innen/Verlage gestiegen: Sie setzen sich zum Ziel, vielfältige Lebensrealitäten abzubilden, Körpernormen zu hinterfragen, Stereotype aufzulösen, Inhalte auf einseitige oder gar diskriminierende Handlungen und Zuschreibungen zu untersuchen. Darüber hinaus richten manche Bücher den Fokus auf erhöhte Zugänglichkeit: Alternativtexte in leichter Sprache, die Ergänzung von Schwarzschrift mit Brailleschrift, taktile Elemente zum Erfassen mit dem Tastsinn oder digitale Vorlesefunktionen sollen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten bzw. Behinderungen den Zugang zu Geschichten ermöglichen. Zugleich ist zu betonen, dass diese Ansätze nicht als allgemeiner Standard zu begreifen sind und in ihrer Komplexität auch sicher nicht in Gänze
realisierbar erscheinen. In diesem Seminar möchten wir vorhandene Bilderbücher analysieren und ihren inklusiven Anspruch sowie ihr Potential kritisch in den Blick nehmen. Im nächsten Schritt werden davon ausgehend alternative Umgangs- und Vermittlungsweisen erprobt und künstlerisch praktisch umgesetzt – dabei sind die inhaltliche (was wird erzählt?), die bildliche (wie wird etwas gezeigt?) sowie die materiale Ebene (über welche Sinne wird etwas zugänglich gemacht?) relevant.
In den Räumen des Brauhauses der Universität Siegen haben wir die Möglichkeit diese Experimente auf vielfältige Art und Weise unter Einbezug verschiedener Materialien praktisch umzusetzen. Die theoretisch geleitete Reflexion der Potentiale, aber auch der Grenzen der Umsetzung, wird in diesem Prozess stetig eingeflochten. Dabei kommen in dem Kooperationsprojekt Expertisen aus den unterschiedlichen Studiengängen (Grundschulpädagogik, z.T. Sonder- oder Förderpädagogik als zusätzliches Studienfach, sowie Lehramt Kunst für alle Schulformen und Studiensettings in Berlin und Siegen zum Tragen und ermöglichen das interdisziplinäre Forschen und Erarbeiten von (Unterrichts-) Material.
Hinweise für Studierende der HU: Das Seminar wird als Exkursion durchgeführt. Die Teilnahme an der allen Terminen (auch der Vorbesprechung) ist Voraussetzung für die Teilnahme.
Gruppe 12: Evelyn May
Kindheitsdinge - Erziehungsdinge
Dinge können uns neugierig machen, uns herausfordern oder (Kindheits-)Erinnerungen wecken. Sie werden zentral für Bildungsprozesse und können auch als „erziehende Dinge“ (Meyer-Drawe 1999) dienen. Ausgehend von bildungstheoretischen und phänomenologischen Positionen befragen wir im Seminar den „Eigensinn der Dinge“ (Hahn 2015) und beleuchten ihre „Mitwirkung [..] in der Erfahrung“ (Waldenfels 2015). Neben gemeinsamen Textlektüren sollen eigene Schwerpunkte und Ding-Recherchen entwickelt werden.
Das Projektseminar findet in Kooperation mit einem Seminar der Kunsthochschule Burg Giebichenstein statt. Gemeinsame (Museums-)Besuche in Berlin und Halle sind geplant und werden noch zeitlich abgesprochen.
2b Theorie, Empirie und Praxis in der allgemeinen grungschulpädagogischen Forschung (Gruppen 13 – 18)
Gruppe 13: Elisabeth Mayweg und Gruppe 14: Anna Carnap
Beziehungsweise KI – Kollaborative Lernsettings von Kindern, Erwachsenen und generativer KI beforschen
Lebenswelt ist heute durchzogen und geprägt von digitalen Anwendungen. Handlungsmächtigkeit findet als ‚Effekt‘ menschlicher Akteur*innen und technischer Aktanten statt. Das Studienprojekt widmet sich den Formen der sozio-technischen Zusammenarbeit aus Perspektive des kollaborativen Lernens, angeleitet durch Elisabeth Mayweg, und mit einem Fokus auf die implizit und explizit eingeschriebenen, gegenseitigen Erwartungen von KI-Programmen und Anwender*innen, angeleitet durch Anna Carnap. Im Zentrum steht die Entwicklung, Durchführung und Reflexion eines mit generativer KI unterstützten Lernprozesses.
Das Seminar findet nach dem Teamteach-Modell statt, d.h. die Seminargruppe, die von Elisabeth Mayweg geleitet wird, wird von Anna Carnap unterstützt und andersherum. Es besteht die Möglichkeit, die im Projekt erhobenen Daten der weiterführenden Forschung zur Verfügung zu stellen.
MAP: Mündliche (Gruppen-)Prüfung
Gruppe 15: Lena Marie Staab
Bilder von Behinderung analysieren, schreiben, veröffentlichen. Ein bildanalytisches Schreibseminar
Wie werden Körper mit Behinderung visuell dargestellt? Welche Narrative, Normen und Machtverhältnisse werden durch diese Darstellungen (re)produziert?
Das Seminar schließt an das Seminar „Ästhetik, Differenz und Inklusion auf“ aus Modul 1 (WiSe 25/26) an und widmet sich vertiefend bildhaften Darstellungen von Behinderung in unterschiedlichen visuellen Medien und Kontexten. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit bildhaften und künstlerischen Repräsentationen, die Kategorien wie Behinderung, Normalität, Geschlecht oder Körpernormen thematisieren. Ausgehend von Theorien der Disability Studies und der Methode der dokumentarischen Bildinterpretation nach Bohnsack zur Analyse von visuellen Darstellungen, werden Bilder von Behinderung vertieft untersucht. Ziel des Seminars ist die Erarbeitung und Veröffentlichung wissenschaftlicher Texte zu ausgewählten Bildbeispielen in einer gemeinsamen Publikation (ggf. online). Das Seminar ist explizit als Schreibseminar konzipiert: Ein wesentlicher Teil der Seminarzeit wird für kollaboratives und individuelles Schreiben, für Textfeedback und Überarbeitungsprozesse genutzt. Die Studierenden entwickeln dabei eigene analytische Beiträge, die methodisch fundiert sind und kritische Perspektiven auf visuelle Repräsentationen von Behinderung einnehmen.
Das Seminar verbindet somit theoretische Grundlagen, analytische Praxis und wissenschaftliches Schreiben miteinander. Theorie und Praxis werden so miteinander verschränkt, dass die entstehenden Texte direkt aus der Seminararbeit heraus entstehen und für die geplante Publikation aufbereitet werden.
Wichtige Hinweise: Das Seminar ist als (kleines) Publikationsprojekt konzipiert. Die im Seminar erarbeiteten Texte werden für eine gemeinsame Veröffentlichung vorbereitet. Die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme am Schreibprozess und zur Veröffentlichung des eigenen Beitrags wird vorausgesetzt. Ggf. wird es einen Blocktermin geben, dieser wird in der erste Seminarsitzung besprochen.
Gruppe 16: Evelyn May
Rhythmen, Zeiten, Synchronisationen in Schule und Unterricht
Das ‚Rhythmisieren‘ von Unterricht ist nicht erst seit der Ganztagsschulentwicklung zu einem wichtigen pädagogischen Schlagwort geworden. Zeitliche Dimensionen des Unterrichts bestimmen maßgeblich die pädagogische Praxis, sind aber bislang kaum erforscht (Rabenstein 2020). Das Projektseminar setzt an diesem Desiderat an und dient der theoretischen Weiterentwicklung eines Forschungsschwerpunktes des Arbeitsbereiches AGSP. Neben historischen Untersuchungen von Zeit-Phänomenen sollen Fragen zur Synchronisation und Asychronisation von Schule und Unterrichtsprozessen im Zentrum stehen.
Gruppe 17 und 18: Nele Borchers
Sorgende Lehrerinnen? – Ein Forschungsdesiderat gemeinsam beleuchten.
Obschon – z. B. in Diskussionen um Inklusion, Ganztagsschulen und multiprofessionelle Teams bzw. einem Anstieg an (sozial)pädagogischen Aufgaben allgemein – Care-Praxen auch in der (Grund-)Schule ersichtlicher werden, bestehen hier noch viele blinde „Flecken“ und das Sorgen/Sorgehandeln wird nur selten als eigenständige pädagogische Praxis diskutiert. In diesem Seminar werden wir uns dem Phänomen der Sorge, auch vor dem Hintergrund ihrer fortwährenden Feminisierung, zunächst theoretisch nähern, um daran anknüpfend gemeinsam Material auszuwerten. Als Teilnehmer*in beteiligen Sie sich dabei an der Auswertung zu einer Studie über das Sorgehandeln von Grundschullehrerinnen, d.h. Sie stellen die erhobenen Daten (etwa Auswertungstranskripte) für die (Sekundär)Auswertung zur Verfügung. |