Der Holocaust auf TikTok, die Zeitzeugin als Hologramm, der Genozid als 3-D-Modell. Erinnert wird zunehmend digital und doch ist Erinnerung schon immer auch virtuell. Anhand verschiedener Erinnerungsprojekte und -praktiken beschäftigen wir uns in diesem Seminar mit der Frage, wie sich mit digitalen Medien unser Blick auf Vergangenheit und unser Verständnis von Geschichte verändert. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwiefern Digitalität Erinnerung als virtuelle Lebenswelt spiegelt. Wird Erinnerungskultur zur Kampfarena, weil wir mit dem Internet zunehmend schlecht zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können? Ermöglicht die Partizipationskultur des Internets partizipatives Gedenken? Wie beeinflusst die Beschleunigung des Dokumentierens auf Social Media unsere Fähigkeit Zeitgeschichte einzuordnen? Wer bezeugt im Kontext digitaler Bildkulturen: die, die posten, oder die, die teilen? Was ist die Zeug:innenschaft des Bildes, wenn der Index fehlt? Was ist das Bild, wenn die Bezeugten nicht in Ruhe gelassen werden und durch Bildzirkulation oder Gaming Culture zum Wiederauferstehen gezwungen sind (Sutherland 2018, Towns 2022)? Digitale Gewalt?
Die Teilnahme setzt voraus, sich mit Gewaltgeschichten und -bildern auseinandersetzen zu wollen. Zugleich werden die digitalen Erinnerungsprojekte auch unter dem Aspekt diskutiert, wie es möglich ist, im Erinnern zu trauern und der Trauer einen Raum zu geben, der von Solidarität und dem Anerkennen verschiedener Vulnerabilitätserfahrungen geprägt ist.
MAP: Hausarbeit
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