Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist ein für überwunden gehaltenes Relikt wieder auf die Tagesordnung der europäischen Politik zurückgekehrt. Die „Rückkehr des Krieges“ (F.-S. Gady), genauer des Eroberungs- und Vernichtungskrieges, wirft grundlegende Fragen auf: Was ist Krieg? Was sind seine Ursachen? Wie verlaufen Kriege, welche verschiedenen Typen lassen sich unterscheiden und zu welchen Ergebnissen führen sie? Wie können Kriege verhindert werden und wie werden sie beendet? Diesen Fragen wollen wir anhand von wirkmächtigen Texten aus der politischen Ideengeschichte von der Antike (Thukydides, Homer) über moderne Klassiker (Hobbes) bis hin zu „Putins Krieg gegen die Frauen“ (Sofi Oksanen) aus politikwissenschaftlicher Perspektive nachgehen. Im Anschluss an Carl von Clausewitz wird der Krieg manchmal als ein Phänomen „jenseits“ der Politik betrachtet, aber Kriege und die Entwürfe einer Friedensordnung haben seit jeher eine grundlegende Bedeutung für das politische Denken und Handeln. Mit den Bedingungen eines dauerhaften Friedens beschäftigten sich Immanuel Kant und Karl Marx, aber auch Historiker der britischen Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland. Die jüngere Forschung weist verstärkt darauf hin, dass das Ende eines Krieges häufig nicht auch das Ende von militärischer Herrschaft und Gewalt bedeutet; Jean-Paul Sartre hielt die Besatzung gar für schlimmer als den Krieg. Kann es eine „kritische Theorie“ des Krieges geben? Ausgehend von einer intensiven Lektüre klassischer und neuerer Texte wollen wir im Seminar versuchen, diesen thematischen Komplex begrifflich zu entschlüsseln.
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