Im 19. Jahrhundert entstand eine Art des medialen wissenschaftlichen Arbeitens, die bis heute als prestigeträchtig gilt: groß angelegte, kollaborative und umfangreich finanzierte geisteswissenschaftliche Forschungsprojekte, die auf eine enorme Produktion verschiedenartiger Medien setzten. Auf Glasplatten, Wachswalzen, Gips, Stein und Papieren versuchte man, Wissen zu sammeln, zu ordnen und dauerhaft zu speichern – mit dem Anspruch, es für zukünftige Generationen zugänglich zu machen. Diese Medienpraktiken waren jedoch nicht neutral: Sie standen oft im Zeichen nationaler Konkurrenz, gingen mit intellektueller Ausbeutung einher und verbrauchten erhebliche materielle und ökologische Ressourcen.
Das Seminar widmet sich den sogenannten Big Humanities von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis hinein in unsere Gegenwart. Anhand unterschiedlicher historischer und zeitgenössischer Medienbeispiele diskutieren wir kritisch die materiellen, institutionellen und politischen Bedingungen geisteswissenschaftlicher Wissensproduktion. Wir untersuchen, wie Medienpraktiken Wissen nicht nur speichern, sondern aktiv formen, hierarchisieren und politisieren. Dabei soll es auch darum gehen, diejenigen Medienpraktiken kritisch zu diskutieren, die heute noch unser eigenes geistes- und medienwissenschaftliches Arbeiten mitbestimmen – die scheinbare Selbstverständlichkeit wissenschaftlicher Medien also neu zu hinterfragen.
Exkursionen sind vorgesehen. Zugleich vermittelt das Seminar grundlegende Methoden des medienhistorischen Arbeitens.
MAP: Hausarbeit, mündliche Prüfung am Mittwoch, 15. Juli 2026, und Donnerstag, 16. Juli 2026
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