Gruppe 1: Verschwörungen und Verschwörungsnarrative in der Frühen Neuzeit
Dass Verschwörungstheorien kein Phänomen des 20. und 21. Jahrhunderts sind, ist gemeinhin bekannt. Gerade die Frühe Neuzeit zeichnete sich durch eine Vielzahl sehr verschiedener Erzählungen über konspirativ agierende Gruppierungen mit erheblicher Schadensabsicht aus: So wurde aus ganz unterschiedlichen Gründen Juden:Jüdinnen, vermeintlichen Hexen, Hugenotten, Jesuiten oder Freimaurern teils hochgefährliche Verschwörungen unterstellt. Das Proseminar versucht einerseits nachzuzeichnen, wie und in welchen Situationen (bspw. Glaubenskrisen, klimatische Veränderungen, Revolutionen) verschiedene Verschwörungstheorien im 16., 17. und 18. Jahrhundert Konjunktur hatten, um andererseits die Folgen wie Misstrauen, Pogrome, Verfolgungen, Inquisitionsprozesse aber auch Gleichgültigkeit, Skepsis und Unglauben in den Blick zu nehmen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Konstruktionsweise der einzelnen Verschwörungsnarrative, ihren Urheber:innen sowie den medialen Vermittlungsprozessen. Anhand von ausgewählten Beispielen untersucht und diskutiert das Proseminar, wie genau sich Verschwörungsdenken in ganz unterschiedlichen Quellen wie persönlichen Korrespondenzen, sensationalistischen Massenmedien, gelehrten Traktaten oder Rechts- und Verwaltungsschriftgut niederschlug.
Diskutiert werden soll in diesem Zusammenhang auch, ob spezifisch „vormoderne“ Inhalte in den Verschwörungstheorien der Frühen Neuzeit existierten und ob es Sinn macht, die Zeit zwischen 1450 und 1800 in dieser Hinsicht von späteren Jahrhunderten abzugrenzen.
Voraussetzung für die Teilnahme am Proseminar ist die aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, sich auch englischsprachige Forschungsliteratur zu erarbeiten.
Gruppe 2: Jüdisches Europa und seine Objekte: Material Culture der Verfolgung und des Überlebens 1933-1945
Menschliches Leben ist ohne materielle Objekte nicht denkbar: Essen, Schlafen und Wohnen sind an Dinge gebunden. In diesem Kurs untersuchen wir die Entrechtung, Verfolgung, Ermordung und das Überleben europäischer Jüdinnen*Juden sowie ihrer Objekte während der Shoah. Der Fokus liegt auf der Perspektive jüdischer Akteurinnen und Akteure.
Dabei gehen wir unter anderem folgenden Fragen nach: Wie sind jüdische Identität, Kultur und Religion mit Objekten verbunden? Inwiefern können Dinge Erinnerungen transportieren oder selbst Teil von Widerstand sein? Wie funktionierten Verfolgung, Entrechtung und Gewalt über Objekte?
Die Lektüre erfolgt größtenteils auf Englisch, die Seminarsprache ist Deutsch.
Gruppe 3: Bilder der Zeitgeschichte. Fotografien in der Bundesrepublik und der DDR, 1945-1990
Gruppe 4: Das Ende der schwarzen Adler. Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland sowie ihre Nachfolgestaaten, 1890-1924
Der Wiener Kongress hatte die europäische Pentarchie erneuert. Mit Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland werden in diesem Proseminar drei dieser Imperien ins Visier genommen, die sich im ostmitteleuropäischen Raum trafen. Mit dem Ersten Weltkrieg gehörten die drei Mächte den gegnerischen Koalitionen an. Ostmittel- und Osteuropa wurden zum Schlachtfeld. Keins der Imperien profitierte vom Krieg - alle drei brachen im oder am Ende des Ersten Weltkriegs zusammen. Das Proseminar schließt mit den Folgen dieser Zusammenbrüche und mit der Entstehung der Nachfolgestaaten. |