Fragen der Höflichkeit begleiten uns in verschiedenen Situationen unseres Alltags, sei es am Kiosk, im Klassenzimmer, im Straßen- oder im E-Mail-Verkehr oder am Arbeitsplatz. Dabei funktioniert Höflichkeit nicht nach einem festen Regelwerk, sondern ist eingebettet in ein dynamisches Zusammenspiel aus Sprache, Situation, sozialen Beziehungen, individuellen Einstellungen und gesellschaftlichem Wandel.
Im Seminar wollen wir uns diesem zentralen Forschungsfeld der Variationspragmatik nähern. Ausgehend von grundlegenden Höflichkeitskonzepten und zentralen theoretischen Aspekten der Variationslinguistik wird anhand ausgewählter sprachlicher Phänomene des Deutschen – etwa Anredeformen, Grußformeln und Sprechhandlungen – diskutiert, welche soziolinguistischen Faktoren auf sprachlicher Ebene wirksam werden und der Höflichkeit hier jeweils Ausdruck verleihen. Auch institutionelle Kontexte (z. B. Schule), Aspekte der Unhöflichkeit (z. B. Beleidigungen) und interkulturelle Perspektiven können einbezogen werden.
Begleitend zu den besprochenen Inhalten werden zudem empirische Forschungsmethoden der Pragmatik und Variationslinguistik thematisiert. Schließlich soll das Seminar auch als Raum zur Entwicklung eigener Projektideen dienen und die Teilnehmer·innen zur eigenständigen Beobachtung und Analyse sprachlicher Praxis anregen. Das Seminar ist diskussionsorientiert und lebt von der gemeinsamen Analyse sprachlicher Beispiele und wissenschaftlicher Texte. Daher werden eine aktive Teilnahme sowie die vorbereitende regelmäßige Lektüre der Seminartexte erwartet.
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