Das Seminar konzentriert sich auf die Analyse missionarischer Quellen, die als „Transkriptionen“ der Evangelisierungserfahrungen in den amerikanischen Gebieten der iberischen Monarchie verstanden werden. Die Untersuchung einer Auswahl gedruckter und handschriftlicher Quellen erfolgt im Dialog mit der umfangreichen internationalen Forschungsliteratur, die insbesondere in den letzten fünfzehn Jahren die dialektische und komplementäre Beziehung zwischen Mission und Wissensproduktion hervorgehoben hat.
Die Quellen werden mit dem Ziel analysiert, zunächst die Rolle und die Modalitäten der missionarischen Wissensproduktion über ferne und wenig bekannte Welten zu verstehen. Einerseits wird die Entstehung missionarischer Weltbilder im dynamischen Verhältnis zu den theologischen Kulturen verschiedener Ordensgemeinschaften untersucht; andererseits werden Formen der Weitergabe indigener Mythen und ritueller Performances durch missionarisches Wissen analysiert, wobei Spuren kommunikativer Praktiken und der Interaktion mit indigenen Akteuren in unterschiedlichen missionary settings nachvollzogen werden.
Darüber hinaus zielt das Seminar darauf ab, die Rolle der Missionare bei der Produktion und Zirkulation von Wissen in der Frühen Neuzeit auf einer neuartigen globalen Ebene und in einer vernetzten Perspektive sichtbar zu machen. Auch wenn die Wissensproduktion nicht das primäre Ziel der christlichen Missionen war, so förderten doch gerade die Anforderungen des evangelisierenden Kontakts die Entstehung ethnologischer und naturkundlicher Wissensformen, die auf vergleichbaren Erwartungen und Prinzipien basierten. Während die sprachliche Produktion die Vielfalt der Missionswelten kartieren konnte, machte die räumliche Repräsentation nicht nur deren Pluralität, sondern auch ihre wechselseitigen Verflechtungen sichtbar.
Durch die Beschäftigung mit einer konkreten Thematik werden zugleich die grundlegenden Kenntnisse und Techniken erworben, die zur Analyse und Interpretation (kirchen-)historischer Quellen erforderlich sind. |